Erste Erfahrung mit Coaching | Martin Saure
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Erste Erfahrung mit Coaching

 

 

Meine erste Erfahrung mit Coaching.

Und was hat das mit Kaffeetassen, Bierdeckeln und Aloe Vera zu tun?

 

„ Hey Claudia wann hast du mal ne Stunde Zeit, ich brauche dich als Coach ich hab da ein Thema“.

Die Antwort kam prompt und in ihrer unkonventionellen Art mit dem Vorschlag für den nächsten Tag und dass doch bei dem schönen Wetter die Fischerhütte am Schlachtensee ein guter Ort wäre.

Unmittelbar nach meiner etwas flapsigen Frage und des darauffolgendem kurzen freundschaftlichen Austausches, mußte ich erstmal darüber nachdenken, ob das jetzt so richtig war.

In zweierlei Hinsicht nachdenken:

Ist Coaching ein Weg für mich?

Geht das auch wenn man seinen Coach privat kennt?

 

Claudia kannte ich zum damaligen Zeitpunkt schon eine ganze Weile und wir konnten uns natürlich prima im Gespräch austauschen. Ob ernsthaft oder humorvoll, wir hatten eine tolle freundschaftliche Basis dafür. Natürlich wußte ich was sie beruflich macht, sie coacht andere Leute…

Ich hatte ehrlich gesagt gar keine so rechte Vorstellung was ein Coach eigentlich so macht.

Bis dato hatten für mich Coaches immer nur etwas mit Sportlern zu tun. Schneller, höher, weiter und so. Und wenn einer ein wie auch immer geartetes Problem hat, welches im weitesten Sinne etwas mit Psychologie zu tun hat, ging er zum Psychologen. Punkt!

Nun ging es bei mir aber um familiäre Verstrickungen, darum, etwas aufzudröseln was sich über Jahre in meiner Familie manifestiert hatte. Immer wieder kam ich dadurch in Situationen, wie zu diesem Zeitpunkt damals auch, wo ich dachte, das darf doch alles nicht war sein, ich sitze schon wieder zwischen den Stühlen und muss einen riesen Spagat machen, um allen gerecht zu werden. Am liebsten hätte ich damals allen auf wiedersehen gesagt und wäre weg gewesen.

Es war für mich kaum noch auszuhalten.

War das nun ein Problem, mit dem man zum Psychologen rennt? Keine Ahnung! Allerdings war ich mir ziemlich sicher, ich hab keinen an der Waffel, aber alle anderen vielleicht, oder doch ich….?

Das einzige, was ich wußte war, dass ich mit dem Ist Zustand alles andere als glücklich bin.

Der nächste Tag kam, ich hatte ein Date…. mit meinem ersten Coaching.

Was, wenn Claudia jetzt richtig ernst macht und es für mich irgendwie unangenehm wird? Kurz hatte ich den Impuls sie anzurufen und zu sagen, lass uns einfach so Kaffee trinken und die andere Sache vergessen.

Ok, ok, ich ziehe ich jetzt durch…. professionell.

In dem Zusammenhang war es für mich auch gut und wichtig, dass wir im Vorfeld ein Honorar vereinbart hatten, damit wir allein schon dadurch den privaten und beruflichen Kontext trennen konnten. Für mich war das prima und fühlte sich dadurch gut an. Ein wichtiger Schritt.

Etwas später saßen wir dann in der Sonne an einem Tisch. Ich schilderte kurz die vertrackte Situation aus meiner Sicht und plötzlich gab mir Claudia ihre Kaffeetasse mit den Worten:

„Das bist du, stell dich mal auf den Tisch“.

Die Zuckerdose wurde mein Bruder, der Salzstreuer meine Mutter, das Weinglas ihr Lebensgefährte, mein Vater wurde zum Pfefferstreuer, meine Exfrau der Aschenbecher und meine Kinder die Bierdeckel. Alle platzierte ich so, wie sie zueinander und mit mir in Beziehung standen und jeder fand seinen Platz.

Es war faszinierend. Ich schaute darauf und ich versuchte zu begreifen was ich sah.

Im wahrsten Sinne begreifen, ich konnte die Situation sehen und durch kleine Eingriffe noch etwas korrigieren. Warum stand der Eine zwischen mir und dem Anderen? Warum eine der Personen so weit weg von mir? Musste sie da stehen? Ja, sie mußte! Nur so fühlte sich das gut und richtig an. Ich saß da mit offenem Mund und schaute auf die Aufstellung auf dem Tisch. Claudia sagte schmunzelnd: „Na, jetzt schaust du dir die Sache mal von außen an. Ein echter Perspektivwechsel“.

Wie zum Test verschob sie eine der Figuren und fragte wie sich das anfühlt, wenn die Position sich verändert. Ich mußte sofort intervenieren, „die muss dahin wieder zurück, im Moment ist das ihr Platz“.

Sie hatte es geschafft, mir mit einfachsten Mitteln vor Augen zu führen, wie die Situation sich darstellt.

Nein, das hatte ich ja selber getan, ich hab es mir selber vor Augen geführt. Ich konnte erkennen, begreifen und sah auch, mit wem etwas geklärt werden mußte, damit sich das Bild verändern darf. Hin zu dem Zustand, den ich mir wünschen würde.

Nun ging es ums Umsetzen. Und wie führe ich die nötigen Gespräche? Und auch hier stellte Claudia mir nur gezielte Fragen. „Wie würde dein Umfeld darauf reagieren, wenn du anders agierst, als sie das von dir gewohnt sind?“

Ha, gute Frage dachte ich, die würden sich ganz schön wundern und der Gedanke darüber amüsierte mich.

„Und was würde denn passieren, wenn du den neuen Weg gehst?“

„Wie würdest du dich fühlen, wenn du alles an und ausgesprochen hast?“

Das hat erstmal vordergründig nichts mit dem Umsetzen zu tun dachte ich noch, aber mit jeder dieser Fragen kam Bewegung in mein Denken. Auch hier wieder ein Perspektivwechsel, ein anderes Betrachten der Situation. Mir wurde immer klarer um die Notwendigkeit der Veränderung. Die Frage nach dem wie wurde immer unwichtiger, sie war nur noch ein Hindernis. Ich durfte einfach alte Pfade verlassen und mich auf die Veränderung freuen.

Um es vorweg zu nehmen, ich habe die Problematik letztendlich gut und dauerhaft lösen können. Wie?

Ich habe die Lösung selber gefunden aber ich wäre niemals von allein dahin gekommen. 

Am Abend nach unserem Coaching Termin bekam ich eine E-Mail von Claudia. Eine Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse, quasi nochmal alles zum Nacharbeiten und wie sollte es anders sein, auch noch ein paar Fragen.

Ich durfte also nochmal nachdenken.

Ach so, die Aloe Vera.

Augenzwinkernd teilte Claudia mir noch abschließend mit, dass sie sich bei unserem Coachingtermin einen leichten Sonnenbrand geholt hatte und es wäre doch eine nette Geste meinerseits, wenn ich ihr als kleine Entschädigung eine Aloe Vera Pflanze besorgen könne. Ihrem Wunsch nach der Pflanze für die Hautpflege bin ich dann selbstverständlich gerne nachgekommen.

Sie ist halt auch Frau!

 

Nur mit den neuen Wegen ist das so ne Sache, sage ich euch.

Die neue Richtung, die man einschlägt, ist zumindest anfangs schwierig beizubehalten.

Es zieht einen mitunter heftig zurück in die alte Spur, die ist über Jahre eingefahren und es lebt sich so bequem darin.

Und deswegen ist es ehrlich gesagt auch mit nur einem Coaching nicht getan. Veränderung braucht Zeit und eine gute Begleitung und ein sich immer wieder neu bewußt machen. Nur so kann man die Rückfallgefahr minimieren.

Aber das wichtigste ist der unbedingte Wille zur Veränderung, die Kraft braucht man. Ohne diesen starken Willen, der starken Energie, kann auch der beste Coach nichts bewirken.

Spontan fällt mir jetzt noch eine Situation ein, die aufzeigt, wie hilfreich es sein kann, wenn man einen Coach gefunden hat, auf den man auch einmal spontan und unkonventionell zugreifen kann.

Es war damals, als der junge Copilot den Germanwingsflieger bewusst in die Berge gesteuert hatte.

Just an dem Tag, als die Umstände des tragischen Vorfalls ans Tageslicht kamen. Ich wusste und spürte, dass ich beim Briefing mit der Cabincrew nicht einfach business as usual machen konnte. Ich war mir aber nicht ganz sicher, wie ich es gut und der Situation angemessen hinbekomme.

Für mich war klar das Thema der Cabinenbesatzung ist Angst, Angst vor dem, was hinter der verschlossenen Cockpit Tür vor sich gehen könnte und wo sie keinen Zugriff haben.

Vor dem Dienst rief ich Claudia an und selbstverständlich schenkte sie mir ihr Ohr.

Sie fragte, ob ich mir sicher bin, dass das vorherrschende Thema Angst wäre… kurzes überlegen meinerseits… sie fragte unterstützend weiter…. Nein es war keine Angst, es geht um Vertrauen, Vertrauen und Offenheit schoß es aus mir heraus. Mit der Problemstellung des Vertrauens fühlte ich mich letztendlich auch viel wohler fürs Briefing.

Ich bekam das super hin, so gut, dass sich die Cabincrew nach dem Flug nochmal für das Briefing und meine Offenheit bedankte.

Es ist also keine Schande sich professionelle Unterstützung zu holen, um den richtigen Weg zu finden. Ich würde es immer wieder tun und auch jedem dazu raten. Es ist ein absoluter Gewinn und sehr unterstützend.

Das waren meine ersten Berührungspunkte mit dem Coaching und seit dem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Bis ich dann letztendlich selber eine fundierte Ausbildung zum Coach abgeschlossen habe.

Wie findest du einen für dich passenden Coach?

Nun gibt es mittlerweile eine reine Schwemme an Coaches und die Problematik ist, es kann sich jeder, wirklich jeder, Coach nennen. Es braucht noch nicht mal eine Ausbildung. Ich kann nur sagen, hütet euch vor denen, die euch das Blaue vom Himmel versprechen, die dich reich, sexy und schön machen wollen. Oder diejenigen, die ganz genau wissen, welchen Weg du gehen musst, um dein Ziel zu erreichen.Das ist sowas von weit weg von Seriosität und dem Grundgedanken des Coachings.

Den einzig richtigen Weg kennt nur der Klient selber und ein guter Coach unterstützt dabei diesen zu erkennen und umzusetzen.

Er hilft bei den ersten Schritten, motiviert und steht zur Seite um das Ziel zu erreichen. Aber den Weg gehen muss der Gecoachte selber, denn es sollte immer sein eigener Weg sein.

Ein erster Anhaltspunkt für eine gute Ausbildung des Coaches ist immer die Zertifizierung bei einer der beiden Dachverbände, entweder DVNLP oder ECA. Wenn das gegeben ist, dann vereinbart ihr am besten ein Probegespräch und hört in euch rein, ob die Chemie zwischen euch stimmt. Übrigens, ein guter Coach wird es euch auch nie krumm nehmen, wenn ihr ehrlich sagt, dass ihr das Gefühl habt, es passt nicht mit ihm.

Wenn euer Bauchgefühl aber ja sagt, dann herzlichen Glückwunsch, ihr habt ihn gefunden.

 

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